MontagsPost: Zeugnis

Nicht mehr lange und in Berlin beginnen die Sommerferien. Davor gibt es für Schüler eines jeden Alters Zeugnisse.

Schüler erhalten Schulzeugnisse, Reifezeugnisse, Abschlusszeugnisse. Arbeitnehmer erhalten Arbeitszeugnisse, Befähigungszeugnisse, Gesundheitszeugnisse (natürlich unabhängig von Schulferien).

Haben Sie schon einmal ein Zeugnis abgelegt? Sich also zu etwas oder jemandem Bestimmten bekannt? Oder mussten Sie schon einmal etwas bezeugen oder als Zeuge aussagen?

Was ist das mit den Zeugnissen? Warum sind sie so wichtig und wo kommt das eigentlich her?

Die Recherche war in diesem Fall nicht ganz so einfach und eindeutig.

Schon in der Bibel finden wir „Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinem Nächsten.“ Was so viel bedeutet wie: „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.“ Also nicht schlecht reden über jemand anderen oder ihn sogar verleumden.

Nein, ich werde jetzt weder philosophisch noch religiös. Es geht hier einzig um die Herkunft und die Bedeutung von Zeugnissen.

Etwas bezeugen, Zeuge von etwas sein oder ein Zeugnis ausstellen bedeutet also, dass eine Tatsache oder eine Leistung von jemandem, der glaubwürdig ist, bestätigt bzw. attestiert wird.

Das ist sicher gut und richtig, sofern die Glaubwürdigkeit gegeben ist.

Vor Gericht macht man sich strafbar, wenn man eine falsche Zeugenaussage macht. Wie aber ist das bei Schulzeugnissen oder auch Arbeitszeugnissen? Ich denke hier gar nicht daran, dass in diesen Zeugnisse immer falsche Aussagen stecken. Ich frage aber, wie glaubwürdig sind Zeugnisse wirklich? Zumal wir bei der Vergabe von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen so viel Wert auf Zeugnisse legen.

An Schulzeugnissen sind mehrere Menschen beteiligt, jeder mit einer unterschiedlichen Wahrnehmung und Einstellung gegenüber des zu beurteilenden Schülers, über den Zeugnis abgelegt werden soll.

Arbeitszeugnisse werden verklausuliert und dürfen nicht so ausgestellt werden, dass für den Empfänge negative Konsequenzen zu befürchten sind.

Glaubwürdig?

Bei Bewerbungen müssen wir zahlreiche Zeugnisse einreichen, um damit als besonders qualifiziert dazustehen. Allerdings frage ich mich, wie aussagekräftig ein Abiturzeugnis noch ist, wenn man bereits 20 Jahre im Berufsleben steht? Oder ein Uniabschluss?

Natürlich belegen diese Zeugnisse, dass man eine bestimmte Schulform besucht hat und diese auch abgeschlossen hat. Ebenso das Zeugnis einer Berufsausbildung. Diese Zeugnisse belegen sicher eine Bestimmte vorhandene Basis. Mehr aber auch nicht.

Ich halte Zeugnisse sicher nicht für unwichtig. Sie sollten jedoch bei der Auswahl von Personen für bestimmte Aufgaben nur ein kleines Auswahlkritierium sein.

Heutzutage verlaufen Lebensläufe längst nicht mehr linear. Viele starten in einer Branche, begegnen neuen Aufgaben, wechseln in andere Tätigkeitsfelder und Branchen, bilden sich fort, regelmäßig, nicht immer mit Zeugnissen, lernen im Rahmen ihrer Tätigkeit von Kollegen, wachsen an Herausforderungen. Zeiten mit Festanstellungen wechseln zu selbständiger Tätigkeit und auch wieder zurück oder auch nur in Teilen.

Was allen gemeinsam ist: Sie sammeln eine Vielzahl von Erfahrungen. Diese Erfahrungen können selten in Zeugnissen ausgedrückt und belegt werden.

In unserer sich wandelnden Zeit (das haben übrigens alle „Zeiten“ gemeinsam), ist es an der Zeit, dass wir nicht nur auf ein Stück Papier wert legen, was als Überschrift Zeugnis hat.

Es ist an der Zeit, dass wir Erfahrungen würdigen, die Menschen, die sich für eine Arbeit, ein Projekt oder eine Aufgabe interessieren, mitbringen und die uns im Rahmen einer Zusammenarbeit daran teilhaben lassen möchten und die ihre Erfahrungen mit uns teilen.

In diesem Sinne… Bleiben Sie neugierig für neue Erfahrungen und Menschen.

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