MontagsPost: Verstehen

Kennen Sie das Gefühl, mit einer Telefonhotline verbunden zu sein, Ihr Anliegen vorgetragen zu haben mit dem Wunsch nach Hilfe und dann erhalten Sie als Antwort:

„Ich verstehe Sie gut, aber…“ (?)

Geht es Ihnen dann auch manchmal so, dass Sie denken: „Du hast überhaupt nichts verstanden, also erzähl mir keinen Blödsinn!“ ?

Kennen Sie Situationen, in denen Ihr Gegenüber sagt: „Ja, ich verstehe das“, Sie aber das Gefühl nicht loswerden, der- bzw. diejenige kann oder will Sie nicht verstehen?

Einige Monate nach Beginn des MontagsPosts im Jahr 2014 habe ich mich mit den Themen Wahrnehmung, Sinne und Reize beschäftigt und für mich stellt sich nun die Frage, ob auch diese daran beteiligt sind, damit wir (uns) verstehen.

Und hier können wir schon erkennen, dass es offensichtlich unterschiedlich Formen des Verstehens gibt.

Zum einen haben wir das Verstehen als eine Form des Empfangens und Verarbeitens von Reizen, vornehmlich auf der sprachlichen Ebene.

Die sprachliche Ebene ist auch daran beteiligt, wenn es darum geht, eine Sprache zu verstehen und weiter gefasst, können Reize nur verstanden werden, wenn die Fähigkeit vorliegt, diese nicht nur zu empfangen sondern auch adäquat zu verarbeiten, um daraus Folgerungen ziehen zu können.

Eine weitere Form des Verstehens ist dann das gegenseitige Verstehen, nicht nur von Sprache, sondern auch von Handlungen und von Gedanken und Gefühlen.

Was bedeutet das nun genau: „Verstehen“?

Gibt man „verstehen“ bei Google ein, dann erhält man folgende umfassende Übersicht:

„verste̱hen (als Verb mit Objekt)

  1. (jmd. versteht jmdn./etwas) geistig, intuitiv erfassen, durchdringen.

„Ich habe die Frage/das Problem nicht verstanden.“

  1. (jmd. versteht etwas) deutlich und gut hören können.

„Sprich bitte etwas lauter, ich kann dich kaum verstehen.“

  1. (jmd. versteht etwas) akzeptieren, nachvollziehen.

„Ich kann deine Angst/Bedenken/Reaktion gut/halbwegs/nur teilweise/überhaupt nicht verstehen.“

  1. (jmd. versteht etwas) gut können.

„Sie versteht ihr Handwerk.“

  1. (jmd. versteht etwas von etwas Dat.) Kenntnisse über etwas haben.

„Sie versteht viel von klassischer Musik.“

oder als reflektives Verb mit sich:

  1. (jmd. versteht sich mit jmdm.) eine gute, von gegenseitigem Verständnis getragene Beziehung haben.

„Ich habe mich immer gut mit ihm verstanden.“

  1. (jmd. versteht sich auf etwas Akk.) etwas beherrschen; gut können.

„Sie verstand sich hervorragend auf das Cellospiel.“

Der Duden erklärt die Bedeutung etwas strukturierter von der einfachen hin zur komplexen Bedeutung:

  • „(Gesprochenes) deutlich hören; den Sinn von etwas erfassen; etwas begreifen, in bestimmter Weise auslegen, deuten, auffassen;

  • ein bestimmtes Bild von sich haben; sich in bestimmter Weise, als jemand Bestimmtes sehen;

  • (Kaufmannssprache) (von Preisen) in bestimmter Weise gemeint sein;

  • sich in jemanden, in jemandes Lage hineinversetzen können; Verständnis für jemanden haben, zeigen;

  • (jemandes Verhaltensweise, Haltung, Reaktion, Gefühl von dessen Standpunkt gesehen) natürlich, konsequent, richtig, normal finden;

  • mit jemandem gut auskommen, ein gutes Verhältnis haben;

  • (etwas) gut können, beherrschen

  • (in etwas) besondere Kenntnisse haben, sich (mit etwas, auf einem bestimmten Gebiet) auskennen [und daher ein Urteil haben]

  • zu etwas befähigt, in der Lage sein

  • mit etwas Bescheid wissen, etwas gut kennen und damit gut umzugehen wissen

  • (veraltend) sich mit Überwindung zu etwas doch bereitfinden“

Verstehen ist also nicht gleich verstehen und auch nicht leicht zu verstehen.

Für mich persönlich gibt es drei Kernbedeutungen: Einmal die Fähigkeit der Wahrnehmung und Verarbeitung als Form des Verstehens, dann die Weiterführung des Verarbeiteten um dem Erfassten eine Bedeutung geben zu können und schließlich die Fähigkeit, sich in jemanden hineinversetzten zu können, um Verständnis zu haben.

Jedes einzelne bedeutet bereits eine hohe Leistung der Wahrnehmung und Verarbeitung, alles zusammen zeugt von einer großen Fähigkeit des Verstehenkönnens.

Was aber, wenn man etwas, wie z.B. eine Sprache, eine Aussage, eine Haltung oder eine Fähigkeit nicht verstehen kann?

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Geben Sie doch zu, dass Sie es nicht verstehen, hören Sie zu, bitten Sie um Erläuterung und geben Sie nicht vorzeitig auf, es doch zu verstehen. Sagen Sie aber nie „Ich verstehe“, wenn Sie es nicht verstehen. Zeigen Sie Wertschätzung und gehen Sie aufeinander zu für ein besseres Verstehen auf allen Ebenen.

In diesem Sinne…

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