MontagsPost: Sinne

Wie versprochen geht es heute weiter mit der kleinen Beitragsreihe zum Thema „Wahrnehmung“.

Vor zwei Wochen war das Ergebnis, dass wir zur Wahrnehmung Werkzeuge benötigen, die uns unser Körper zur Verfügung stellt, nämlich unsere Sinne.

Haben Sie heute alle Sinne beisammen? Und wenn ja, wie viele eigentlich? 5 Sinne, oder besitzen Sie sogar einen 7. Sinn? Oder noch mehr?

Gibt es möglicherweise Sinne, die Sie bevorzugt einsetzen und Sinne, die Sie manchmal im Stich lassen?

Die meisten von uns denken bei den Sinnen zunächst an die bekanntesten 5 Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten (Fühlen).

Es gibt aber noch mehr. Es gibt noch Sinne, um Temperatur empfinden zu können oder Schmerzen, um das Gleichgewicht zu halten oder um zu empfinden, wie sich unser Körper gerade im Raum befindet und bewegt. Ohne diese Tiefensinne könnten wir uns nicht bewegen, würden ständig hin- oder umfallen und wüssten im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr, wo oben und unten ist.

Unsere Sinne sind auch keine Einzelkämpfer. In der Regel arbeiten zwei oder mehrere Sinne zusammen. Zum Beispiel wird der Gleichgewichtssinn häufig von den Augen unterstützt (oder stehen Sie mühelos mit geschlossenen Augen auf einem Bein?). Riechen und Schmecken arbeiten zusammen (nicht umsonst macht Essen bei einer Erkältung einfach keinen Spaß). Fällt ein Sinn temporär oder dauerhaft aus, so übernehmen andere Sinne einige Teilfunktionen des betroffenen Sinnesorgans mit, um so Funktionen zu kompensieren.

Unsere Werkzeuge helfen uns also, etwas wahrzunehmen, es zu bewerten und schließlich einzuordnen. Wenn diese Werkzeuge nicht richtig oder gar nicht funktionieren, fällt es uns also zunächst schwer, Dinge bzw. Reize, die uns umgeben wahrzunehmen und einzuordnen.

Kennen Sie das Gefühl, „zu viel um die Ohren zu haben“? Sind Sie dann noch in der Lage, alles um sich herum richtig einzuordnen, bekommen Sie noch alles mit? Oder haben Sie dann eher das Gefühl, vieles einfach zu „übersehen“? Ich kenne Menschen, die hatten im wahrsten Sinne „zu viel um die Ohren“ und konnten tagelang nicht richtig hören. Aber soweit sollten wir es einfach nicht kommen lassen.

Ein kleines persönliches Beispiel: Ich war in der vergangenen Woche zu einer großen Messe. Für mich ist eine Messe schon immer eine große Herausforderung an alle meine Sinne. Es gibt immer viel zu sehen, wenn viele Menschen dabei sind, hat man häufig auch ungewollte Tastreize, viele ungewohnte oder auch unangenehme Gerüche (es war sehr warm draußen) stürmen auf einen ein, manchmal gibt es Kleinigkeiten zum Probieren und was zu allem hinzukommt, wenn viele Menschen gleichzeitig reden: Es war sehr laut. Alle diese Reize sind über Stunden auf meine Sinne eingestürmt. Vieles davon ist spannend, macht neugierig, ist interessant und auch sehr angenehm (bis auf den permanenten Lärmpegel, der dauerhaft zwischen 80 und 110dB lag). Nach nahezu 8 Stunden auf der Messe bin ich regelmäßig kaputt und merke, dass ich alle diese vielen Reize, die ich mit meinen Sinnen aufgenommen habe, erst einmal in Ruhe zu Ende verarbeiten muss. Aber so ein Messetag ist dann noch nicht zu Ende – es geht weiter mit Aftershow-Partys, Messe-Partys, zusätzlichen Präsentationen und und und…

messe
Messe

Man könnte nun sagen, ich sei empfindlich und vielleicht stimmt das auch. Empfindlich im Sinne von empfindsam bzw. sensibel, das bedeutet nämlich, dass meine Sinne besonders viele Reize aufnehmen können aber nicht alle auf einmal verarbeiten können. Vielleicht nehme ich mehr wahr als andere oder bin langsamer in der Verarbeitung. So bin ich nun mal. Was mir aber wichtig ist, dass ich mir darüber bewusst bin. Und das sollten Sie auch. Einfach mal nachspüren, wie geht es Ihnen nach einem Tag voller Reize und Empfindungen und wie steht es bei Ihnen mit der Aufnahme und Verarbeitung durch ihre Sinne. Jeder ist anders.

Ich habe für mich herausgefunden, dass ich meine Sinne nur dann beieinander haben kann, wenn ich allen meinen Sinnen auch mal eine Pause gönne, um das, was auf Sie einstürmt auch zu verarbeiten. Nur dann bin ich nämlich in der Lage, offen zu sein für neue Sinnesreize.

Was es genau mit diesen Reizen und der Verarbeitung durch unsere Sinne auf sich hat und was es mit uns macht, schauen wir uns beim nächsten Mal.

Bis dahin wünsche ich Ihnen, dass Sie weiterhin alle Sinne beieinander haben, die meisten riechen können, wie immer nicht zu viel um die Ohren, ausreichend Durchblick haben und gern auch das Herz auf der Zunge tragen.

sinne
Sinne

One Reply to “MontagsPost: Sinne”

  1. Pingback: IMEX14 - Ein persönlicher Rückblick

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.