MontagsPost: Reize

Sind Sie heute eher reizend, reizbar oder sogar schon gereizt? Ist doch bald wieder Wochenende. Dann können Sie die Feiertage bis zur letzten Minute ausreizen.

Upps, und schon sind wir mitten im heutigen Thema „Reize“.

Natürlich kann ich Ihnen nun erklären, dass Reize nur chemische und physikalische Impulse sind, die aufgrund Ihrer Weiterleitung im Körper Reaktionen hervorrufen. Ok, so weit, so gut.

Die Frage ist doch aber: Was reizt uns? Also Sie? Mich? Jeden einzelnen? Worauf fahren wir ab? Oder warum stehen wir morgens auf?

Ist es der Reiz des Abenteuers? Der Reiz des Geldes? Oder der Reiz nach Anerkennung oder Sicherheit? Was genau reizt uns?

Und während wir uns diese und ähnliche Fragen stellen, müssen wir feststellen, dass das gar nicht so einfach zu beantworten ist. Denn wie war das noch? Chemische und physikalische Reize? Na gut, bei wem jetzt Kopfkino startet, auch das hat seinen Reiz.

Nehmen wir mal das morgendliche Aufstehen. Wenn mein Wecker klingelt und der Ton an mein Ohr dringt, ist das eindeutig ein physikalischer Reiz, mit dem ich nicht immer etwas Positives verbinde. Scheint draußen bereits die Sonne und lächelt mich an, dann ist das ein positiver Reiz, der das Aufstehen erleichtert. Aber blauen Himmel und Sonnenschein könnte ich auch im Bett genießen. Auch die Freude darüber, einem lieben Menschen zu begegnen, muss nicht ausschlaggebend sein. Warum also stehe ich auf? Vielleicht die Aussicht auf eine schöne Tasse Kaffee und ein gemütliches Frühstück? Das muss aber noch zubereitet werden.

So könnte das jeder von uns weiterführen mit seinen ganz eigenen Gedanken zu: Was reizt mich eigentlich? Es wird immer ein Für und Wider geben, an dessen Ende wir uns für etwas entscheiden. Liegenbleiben oder Aufstehen?

Ein Reiz ist also etwas, was uns (bewusst oder unbewusst) etwas abwägen lässt und dann zu einer Entscheidung führt.

Nehmen wir einmal eine tiefe Schlucht über die eine schmale wackelige Hängebrücke gespannt ist. Würden Sie diese ohne weiteres überqueren? Macht Ihnen eine solche Situation vielleicht gar nichts aus, weil Sie das Abenteuer lieben und sowie über alles drüber balancieren und drüber klettern? Oder müssten Sie kurz vor der Brücke stehenbleiben und abwägen, ob Sie den Weg wagen? Oder haben Sie Höhenangst und halten es für absolut ausgeschlossen, überhaupt die Brücke zu betreten? Je nachdem, was am besten zu Ihnen passt, beginnen Sie nun abzuwägen. Und dieses Ausloten aller Möglichkeiten passiert nicht nur im Kopf, sondern im gesamten Körper. Möglicherweise erzeugt die Aussicht, die Brücke zu überqueren ein angenehmes Kribbeln in Ihrem Bauch und einen leichten Rausch, oder Ihre Blase reagiert extrem gereizt oder machen Sie sich etwa schon bei dem Gedanken an die Hängebrücke in Hose?

Alles Reaktionen des Körpers auf Reize. Wie Sie sich letztendlich entscheiden, hängt aber nicht nur von Ihrem Ist-Zustand ab, sondern auch von dem Reiz, der auf der anderen Seite der Brücke wartet oder auf dieser Seite der Brücke auf Sie lauert. Noch mehr Reize, die auf Sie einstürmen, verarbeitet werden müssen und Sie letztlich zu einer Entscheidung bringen. Selbst wenn Sie auf dieser Seite der Brücke bleiben und in Kauf nehmen von dem Tiger hinter Ihnen gefressen zu werden. Ein Ergebnis und eine Reaktion auf die vielen Reize.

Nun wünsche ich natürlich niemandem, vor lauter Reizüberflutung vom Tiger gefressen zu werden (auch im übertragenen Sinne).

Versuchen sie doch mal, bestimmte Reize, die auf Sie einstürmen bewusst wahrzunehmen, am besten mit dem ganzen Körper. Spüren Sie mal in sich hinein, was passiert, wenn Sie im Garten im Liegestuhl sitzen oder mit dem Auto im Stau stehen. Wie reagieren Sie? Wie reagiert Ihr Körper? Welche Reize am Tag sind angenehm, welche besonders unangenehm?

Wenn Sie Reize und Ihre Reaktionen mal wieder bewusst wahrnehmen, dann können Sie positive Reaktionen auf Reize wieder mehr genießen und werden bei negativen Reaktionen auf Reize gelassener. Probieren Sie es einfach mal aus. Ganz nebenbei und zwischendurch. Geht immer und klappt immer.

Und damit Sie ausreichend Zeit haben, das auszuprobieren, lassen wir den nächsten MontagsPost ausfallen – es ist Pfingsten und das ist für den Geist ein besonders großer Reiz.

Bis dahin lassen Sie sich nicht zu sehr reizen, fahren Sie vor lauter Reizen nicht aus der Haut, sondern lieber auf etwas ab, reizen Sie Ihre Mitmenschen nicht zu sehr und genießen Sie möglichst viele Reize.

Reize

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