MontagsPost: Dresscode

Haben Sie sich schon einmal nach dem Sinn von Dresscodes gefragt? Wenn ja, in welchem Zusammenhang?

Was ist überhaupt ein Dresscode? Wo kommt das her? Und was soll damit erreicht werden?

Wie immer habe ich ein wenig recherchiert, v.a. weil mich die eigentlichen Ursprünge sehr interessieren.

Folgende Definition habe ich gefunden: „Der Begriff Kleiderordnung (engl. dress code) bezeichnet Regeln und Vorschriften zur gewünschten Kleidung im privaten, gesellschaftlichen, kulturellen und geschäftlichen Umfeld.“ (Quelle Wikipedia)

Aha. Vorschriften und Regeln zu Kleidung, die man privat trägt? Geht das nicht ein bisschen weit? Und was bedeutet gesellschaftlich, kulturell und geschäftliches Umfeld?

Die Erklärung geht noch weiter: „Mit dem Begriff werden auch Regeln bezüglich der Kleidung bezeichnet, die nicht per Gesetz oder Erlass, sondern aufgrund weicherer Faktoren bestehen: aufgrund von Konvention, aufgrund des Bedürfnisses nach Konformität, aufgrund einer stillschweigenden Übereinkunft, eines gesellschaftlichen Konsenses (…) oder einer Erwartungshaltung z. B. eines Veranstalters oder eines Arbeitgebers.“ (Quelle Wikipedia)

Aha. Konventionen und Bedürfnis nach Konformität. Bereits in der letzten Woche habe ich anhand eines Artikels auf Twitter angemerkt, dass Dresscodes die optimale Form zur Vereinheitlichung von Menschen sind.

Wo kommen diese Wünsche und Erwartungshaltungen her?

„Die Kleiderordnung stellt nicht allein Hierarchieansprüche innerhalb der Sozialsysteme dar (Rang, Titel, Insigne, Orden, Gehalt), sondern ist auch für die Orientierung und Funktionsabgrenzung innerhalb der Sozialsysteme notwendig.“ (Quelle Wikipedia)

Ursprünglich gab es Gesetze und Verordnungen (sog. Erlasse), die bestimmte Bekleidungsstücke und –arten vorgeschrieben haben, um „so, die zulässige Bekleidung und erlaubten Schmuck für die einzelnen Stände festlegten. So wurde die gesellschaftliche Hierarchie optisch deutlich gemacht.“ (Quelle Wikipedia)

„Neben religiösen und moralischen Gründen spielten auch wirtschaftspolitische Erwägungen eine Rolle: Wenn z. B. in einer freien Reichsstadt ein Bürger durch verschwenderischen Lebensstil verarmte, fiel er der städtischen Fürsorge zur Last, was man eben durch genaue Kleidungsregeln verhindern wollte.“ (Quelle Wikipedia)

OK, das ist verständlich. Wenn jemand über seine Vermögensverhältnisse lebte und anderen damit zur Last fiel (entsprechend der damaligen Gesellschaftsordnung), dann konnte man das durch bestimmte Regeln eindämmen. Kleiderordnungen waren aber auch dafür da, bestimmte Gesellschaftsgruppen auszugrenzen und optisch durch bestimmte Merkmale hervorzuheben, um sie zu brandmarken. Kleidung als Erkennungsmerkmal des gesellschaftlichen Standes und der Vermögensverhältnisse.

Warum aber machen wir das heute immer noch? Was steckt eigentlich hinter dem Bedürfnis nach Konformität? Sind wir nicht alles Individuen, die in der Lage sein sollten, sich zu kleiden?

Natürlich ist mir bewusst, dass es Anlässe gibt, für die man eine andere Kleidung wählt, als zuhause auf der Couch. Wobei auch hier jeder selbst entscheiden sollte, womit man sich in dieser Situation wohl fühlt.

Und damit bin ich bei meiner Idee zu Kleidervorschriften: Warum soll man sich nach einem bestimmten Dresscode kleiden, wenn man sich darin nicht wohl fühlt?

Ich höre schon, wie es heißt: Ja, aber es gibt doch bestimmte Regeln und Situationen, in denen man sich angemessen kleiden sollte.

Ja, da stimme ich zu. Was aber genau ist „angemessen“? Warum wird das ausschließlich von außen bestimmt?

Ja, ich stimme auch zu, dass es nicht angemessen ist, wenn man zu einer Gala-Veranstaltung, in der gemäß den Konventionen festliche Garderobe erwartet wird, im T-Shirt und Flip-Flops erscheint. Aber muss es für die Herren zwingend der schwarze Smoking sein, in dem alle Herren gleich aussehen und keiner mehr Individualität ausstrahlt?

Ja, ich stimme auch zu, dass man zu einem Vorstellungsgespräch nicht in der ungewaschenen Kleidung der letzten Woche erscheint. Warum aber hat ein Bewerber geringere Chancen, wenn er/sie nicht im Anzug oder Kostüm erscheint? Geht es nicht viel mehr um die Fähigkeiten, die der Bewerber mitbringt?

Ist ein Mensch nicht authentischer, wenn er sich wohlfühlt? Sind Persönlichkeit und Selbstbewusstsein nicht aussagekräftiger als Kleidung?

Mich persönlich stört die stillschweigende Hinnahme von Dresscodes in vielen Situationen, in denen ich persönlich keinen Anlass für Uniformität sehe. Ist man gesellschaftlich und geschäftlich weniger wert, nur weil man keine Krawatte oder Pumps trägt?

Wie geht es den Damen, die den ganzen Tag mit Pumps an einem Messestand stehen und lächeln? Wie geht es den Herren, die den ganzen Tag Krawatte um den Hals tragen und möglichst noch im Dreiteiler in geschlossenen Räumen vor sich hinschwitzen? Gesund ist das auf Dauer nicht.

Natürlich habe ich in verschiedenen Situationen auch schon Dresscodes ausgegeben, z.B. für Personal von Veranstaltungen. Hier erwarte ich eine Wiedererkennungsmöglichkeit für Teilnehmer oder eine Bekleidung, die das Personal als besonders unauffällig scheinen lässt. Das ist situationsbedingt und dennoch wünsche ich mir auch in solchen Situationen, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Und das erreiche ich aber durch ganz andere Faktoren, wie z.B. Wertschätzung, wodurch Kleidung wieder zweitrangig und „Uniformen“ akzeptabel werden.

Ich denke, dass strenge Dresscodes nicht mehr unbedingt zeitgemäß sind und deutlich flexibler gehandhabt werden sollten, als es in manchen Branchen oder zu manchen Anlässen üblich ist.

Mir ist aber auch klar, dass das immer wieder eine Gradwanderung ist, denn natürlich gibt es Menschen, für die die Einhaltung von Konventionen wichtiger ist, als für andere. Auch hier kommt es auf das Individuum an.

Was ich nicht glaube, dass man durch Dresscodes Wertschätzung zeigen kann. Wertschätzung kommt von innen heraus und das geht sogar im Schlafanzug. Der allerdings auch nach meiner persönlichen Meinung kein angemessenes Kleidungsstück wäre für einen öffentlichen Anlass.

„Kleider machen Leute“ – aber nur wenn sie die Persönlichkeit des Individuums stärken und das Selbstbewusstsein unterstützen. Das stärkt Offenheit und Wertschätzung in jeder Situation.

In diesem Sinne… seien Sie individuell.

Kleiderordnung

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