MontagsPost: Kompetenz

In der vergangenen Woche ist mir immer wieder das Wort Kompetenz begegnet und zwar in den unterschiedlichsten Kombinationen.

Fachkompetenz, Führungskompetenz, Sozialkompetenz, Emotionale Kompetenz, Sachkompetenz, Sprachkompetenz, kommunikative Kompetenz, Kompetenzoptimierung, Kompetenzgerangel, Inkompetenz,…

Was bedeutet das eigentlich „Kompetenz“?

Das Wort hat seine Herkunft im Lateinischen von „competentia“ = das „Zusammentreffen“, verbunden mit dem Verb „competere“ = „zugleich anstreben“ und dem Adjektiv „competens“ = „angemessen“. Die Bedeutung entwickelte sich von „Recht auf Abgaben“ zu Fähigkeit, Zuständigkeit im 19. Jahrhundert, unter Einfluss des Adjektivs kompetent und dem zum Wortstamm gehörenden Verb.

Kompetenz ist also ein angemessenes und zugleich angestrebtes Zusammentreffen.

Wovon? Von Fähigkeiten und Zuständigkeiten.

Jemand, der Kompetenz oder vielleicht sogar mehrere Kompetenzen besitzt, sollte bestimmte Fähigkeiten und Zuständigkeiten besitzen.

In einem Artikel zum Thema Konfliktmanagement in Teams habe ich eine interessante These gelesen: „Chefs brauchen neben Fachkompetenz immer mehr Sozialkompetenz“.

Das Thema ist nicht neu, aber es begegnet uns immer wieder, obwohl regelmäßig darüber gesprochen und geschrieben wird und obwohl es zahlreiche Managerseminare, Teambuildings uvm. dazu gibt.

Eine der zentralen Fragen muss doch sein: Woher kommen Kompetenzen?

Erlangt man Kompetenzen in der Schule und im Studium? Durch eine Gehaltsgruppe? Durch Erfahrung? Durch Wissen? Durch Beziehungen? Durch bestimmte finanzielle Mittel? Werden Kompetenzen verliehen, angedichtet oder erlernt?

Vermutlich von allem etwas und das macht es so schwierig.

Jemand, der permanent gute Zeugnisse abliefert und Prüfungen besteht, der hat gewisse Kompetenzen. Welche? Wenn man den Zeugnissen vertraut, zunächst einmal eine sehr gute Fachkompetenz. Das ist ein großer Vorteil und es gibt zahlreiche Unternehmen, die einzig darauf vertrauen.

Die Folge daraus: Jemand mit sehr guter Fachkompetenz erhält nicht selten eine Position in einem Unternehmen in einer höheren Gehaltsstufe.

Und jetzt kann es zu Problemen kommen, wenn außer der Fachkompetenz nicht noch weitere Kompetenzen vorhanden sind.

Warum? Eine höhere Gehaltsstufe bringt in den meisten Unternehmen eine Position mit sich, in der mehr Verantwortung an den Mitarbeiter übertragen wird. Das ist neben der Verantwortung für die fachliche Umsetzung in der Regel auch Verantwortung für ein Team. Das bedeutet: Aufgrund der hohen fachlichen Kompetenz wird automatisch vorausgesetzt, dass auch Führungskompetenz, soziale Kompetenz und kommunikative Kompetenz vorhanden sind.

Oder anders betrachtet: Es wird vergessen, diese Kompetenzen ebenfalls zu überprüfen. Oder ist das egal?

Führungspositionen werden von Führungspositionen eingesetzt, anderen Mitarbeitern wird die Kompetenz abgesprochen, (mit-)entscheiden zu können, wer die Fähigkeiten besitzt, Teams zu leiten.

Ich will damit nicht behaupten, dass Menschen in Führungspositionen nicht die Kompetenzen zum Führen eines Teams besitzen. Ich möchte nur zum Nachdenken anregen, wie in Unternehmen Führungspositionen vergeben werden.

Wir sind alle Menschen. Menschen mit Stärken und Schwächen. Niemand von uns gibt gern Schwächen zu oder wird auf Schwächen hingewiesen, dennoch gehören diese zu jeder Persönlichkeit dazu. Ebenso wie die Stärken.

Nehmen Sie sich einmal kurz Zeit und denken an einen Menschen, der Ihnen nahe steht und überlegen: Was für Stärken hat er oder sie eigentlich? Was kann er oder sie besonders gut? (….) – Stopp! Nicht daran denken, was er oder sie nicht so gut kann!

Sie werden feststellen, dass ist gar nicht so einfach. Sie können dann probieren, das Ergebnis mit der Person abzugleichen und sie werden feststellen, dass jeder von Ihnen ein anderes Bild hat. Und sie können diesen kleinen Test auch mal mit Ihren Kollegen oder Ihren Vorgesetzen machen.

Das verändert Ihre Einstellung und stärkt Ihre emotionale Kompetenz.

Und diese ist neben Ihrer Fachkompetenz ebenso wichtig, um an Ihrer Position nicht nur einsam erfolgreich zu sein, sondern um Erfolg im Team zu haben.

Schließlich haben wir neben unseren Stärken und Schwächen auch noch Empfindungen, Meinungen, Bedürfnisse, Wünsche, Ziele, Befürchtungen, Ängste. Jeder von uns hat gute und auch mal schlechte Tage. Je nach persönlichen Voraussetzungen können unsere Empfindungen oder Befürchtungen unsere Leistungsfähigkeit beeinflussen.

Das ist nicht erwünscht in Unternehmen? Darauf kann man keine Rücksicht nehmen?

Solche Beeinflussungen sind aber menschlich. Bei jedem.

Oder sind sie noch nie mit dem falschen Fuß aufgestanden, hatten die Nase voll, alle Hände voll zu tun, mussten mal ein Auge zudrücken, sich ein Bein ausreißen, Entscheidungen mit Hand und Fuß treffen, haben sich etwas zu Herzen genommen, oder waren über beide Ohren verliebt?

Alles Emotionen die unsere Fähigkeiten sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können.

Wir sollten das nicht vergessen, weder bei uns selbst noch bei dem Kollegen gegenüber und auch nicht bei Vorgesetzten oder Mitarbeitern/ Angestellten.

Verlieren wir nicht aus den Augen, dass wir bei all dem Leistungsdruck, den wir uns auferlegen oder auferlegt bekommen, neben einer hohen Fachkompetenz noch mehr Kompetenzen gefordert sind. Wenn wir das schaffen, dann erreichen wir mehr Zufriedenheit und wer zufriedener im Job ist, ist leistungsfähiger.

In einem kompetenten Team sind Fähigkeiten und Zuständigkeiten (= Kompetenzen) so verteilt, dass Mitarbeiter und Kunden mit den Ergebnissen gleichermaßen zufrieden sind.

erfolg
Bildquelle: www.oups.com

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